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Wenn der eigene Wert verhandelbar bleibt
Eine Klientin, Ende vierzig, Mutter von zwei Kindern und seit neun Jahren in Deutschland, kam mit dem Anliegen zu mir, beruflich immer wieder an ähnliche Grenzen zu stoßen. Sie arbeitet freiberuflich als Architektin, lebt vor allem von Empfehlungen und beschreibt sich selbst als zuverlässig, geduldig und sehr engagiert. Gleichzeitig erlebt sie die Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden immer wieder als belastend. Absprachen verändern sich, Leistungen werden als selbstverstän
S LI
1. Juni
Dein Trigger = Dein Thema
Wie oft beobachten wir andere Menschen und fragen uns: Warum verhält sie sich so? Warum redet er in diesem Ton? Was nimmt sie sich eigentlich heraus? Wie kann man nur so sein? Und ehe wir es merken, sind wir mitten in der Analyse des Gegenübers. Bewerten. Interpretieren. Verurteilen.Ärgern uns. Was dabei oft unbeachtet bleibt: Was passiert gerade in mir? Denn so sehr wir es manchmal wollen — den anderen werden wir nicht verändern. Aber vielleicht war der andere nie das eigent
S LI
8. Mai


Ein Thema kommt selten allein
In der systemischen Arbeit zeigt sich häufig ein wiederkehrendes Muster: Ein Thema, das zunächst klar und isoliert erscheint, entfaltet bei genauerem Hinsehen weitere Verbindungslinien. Es ist eingebettet in andere Themen, die wiederum mit zusätzlichen Zusammenhängen verwoben sind. So entsteht ein vielschichtiges Geflecht, in dem Ursache und Wirkung nicht linear, sondern zirkulär verstanden werden. Dabei begegnen uns auch Themen, die nicht ausschließlich aus der eigenen Leben
S LI
7. Mai
Die unsichtbare Arbeit des Weiterlebens
Eine Frau, kurz vor dem Eintritt in die Rente. Sie hat ihr Kind allein großgezogen – unter fordernden, teils sehr belastenden Bedingungen. Der Kontakt zwischen ihr und ihrem Kind war über viele Jahre intensiv, konflikthaft, aber auch von Fürsorge und Bindung geprägt. Heute kommt sie mit einem leisen, aber schwer tragenden Anliegen: Sie möchte lernen, mit der aktuellen Situation umzugehen. Denn der Kontakt zu ihrem Sohn besteht seit über drei Jahren nicht mehr. Ohne die Gründe
S LI
4. Mai


Wenn Geben und Nehmen zur inneren Rechnung wird
Eine systemische Perspektive In vielen Beziehungen zeigt sich ein Muster, das auf den ersten Blick fast kindlich wirkt: ein genaues Abwägen von Geben und Nehmen. Ähnlich wie Kinder, die Bonbons zählen, um Gerechtigkeit herzustellen, beobachten auch Erwachsene sehr genau, wer wie viel investiert – an Zeit, Aufmerksamkeit oder Zuwendung. Aus systemischer Sicht ist dieses Verhalten weniger ein „Problem“, sondern vielmehr ein sinnvoller Lösungsversuch. Es verweist auf ein inneres
S LI
30. Apr.
Die (leise) Krise der Kommunikation
Eine systemische Perspektive Jeder von uns kennt es oder vielleicht auch nicht:Eine kleine Auseinandersetzung endet plötzlich in einem großen Streit. Häufig sind es gar nicht die unterschiedlichen Meinungen, die so stark auseinandergehen. Viel öfter ist es die Wiederholung und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren oder eben nicht kommunizieren. Gleichzeitig leben wir heute mehr denn je im Außen. Wir sind ständig erreichbar, werden von Informationen überflutet u
S LI
22. Apr.
Wenn der Ruf über allem steht
Heute in meiner Praxis Ein 65-jähriger Vater kommt in meine Praxis. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Sein Anliegen ist: Sein 19-jähriger Sohn soll „zur Vernunft kommen“. Der Sohn möchte KFZ Mechaniker werden. Für den Vater ist das kein Weg, der trägt. Zu wenig Ansehen. Zu wenig Sicherheit. Zu wenig Würde – zumindest in seinem inneren Erleben. Was sich zunächst wie ein Konflikt über Berufswahl zeigt, öffnet im Gespräch eine tiefere Ebene. Der Vater e
S LI
21. Apr.
Wenn Medizin mehr auslöst als Klarheit
Meine Klientin ist Ende 30, verheiratet und Mutter eines fünfjährigen Kindes. Seit etwa drei Jahren besteht der gemeinsame Wunsch nach einem weiteren Kind. Nachdem sich dieser Wunsch nicht erfüllte, ließ das Paar auf ärztlichen Rat hin umfangreiche medizinische Abklärungen durchführen. Im Verlauf der Diagnostik zeigte sich eine medizinische Ursache auf Seiten des Partners. In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass dieser Befund über die ursprünglich intendierte Klärung hinau
S LI
21. Apr.
„Der Club der Starken“
„Wahnsinn, was du alles schaffst – du bist so stark.“ „Du warst immer schon die Stärkere von uns beiden,.“ „Ich wünschte, ich wäre so stark wie du.“ Auf den ersten Blick sind das Komplimente. Und manchmal fühlen sie sich auch so an. Doch es gibt einen Moment, in dem sich etwas verschiebt: Dann, wenn du beginnst zu spüren, was dich diese Stärke eigentlich kostet. Wenn Stärke zur Strategie wird Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die selten weinen. Die funktionieren. Die das
S LI
21. Apr.
Vom Trauma zur *Selbstermächtigung
Heute in meiner Praxis Meine Klientin ist Anfang 40 und hat zwei Kinder. Eine Frau mit einer bewegten Biografie, mehreren bereits durchlaufenen Psychotherapien und einer Geschichte, die von frühen Verletzungen, Anpassung und innerem Überlebenswillen geprägt ist. Sie ist das dritte von sechs Kindern. Ihre Eltern kamen in den 1960er Jahren aus Syrien nach Deutschland. Ihre Mutter wünschte sich einen Sohn. Als drittes Mädchen war sie nicht das erhoffte Kind. In den ersten Lebens
S LI
13. März
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