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Wie Verständnis die Verbindung verhindert
Heute in meiner Praxis Eine Erkenntnis, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet – und die ich auch im Austausch mit Menschen außerhalb meiner Praxis wahrnehme: Viele erwachsene Kinder haben gelernt, ihre Eltern sehr gut zu verstehen. Sie verstehen, dass ihre Eltern in einer anderen Zeit groß geworden sind. Dass sie andere Prägungen erfahren haben. Dass sie vielleicht selbst wenig Raum für Gefühle, Bedürfnisse oder Verletzlichkeit bekommen haben. Sie sehen die Geschicht
S LI
vor 7 Tagen
Ein Teil ist noch kein Ganzes
Ich sage meinen Klient:innen nicht, was sie tun sollen. Nicht, weil es keine Antworten gäbe. Sondern weil das voraussetzen würde, dass ich wüsste, welcher nächste Schritt für sie passend oder richtig ist. Und dafür kenne ich niemals das ganze Bild. Verhalten entsteht nicht im luftleeren Raum. Es steht immer in einem Zusammenhang – mit Beziehungen, Erfahrungen, Erwartungen, Verletzungen und Bedürfnissen. Was von außen wie ein klares „Du solltest …“ aussieht, kann innerhalb die
S LI
11. Sept.
Was darf Schule sein?
Ein Satz aus einem Gespräch mit einer Lehrerin hat mich noch eine Weile beschäftigt: „Wir dürfen den Kindern ruhig klarmachen, dass Schule keinen Spaß macht. Schule ist schließlich kein Ort, an dem es um Spaß geht. Wir Erwachsenen gehen schließlich auch zur Arbeit, obwohl sie uns keinen Spaß macht.“ Ich frage mich, was alles in diesem Satz liegen kann. Aus Sicht einer Lehrerin vielleicht zunächst etwas sehr Verständliches: Schule ist kein Freizeitprogramm. Lernen bedeutet Ans
S LI
28. Aug.
Die Wahrheit hinter der Lüge
Neulich saß eine Frau Anfang dreißig in meiner Praxis. Sie wirkte souverän, wach, präsent. Eine Persönlichkeit, die gelernt hatte, Räume einzunehmen. Die wusste, wie man Geschichten erzählt, Menschen unterhält und Interesse weckt. Sie kam wegen einer Trennung. Sieben Jahre einer Beziehung, die vielversprechend war – und nun das Ende. Sie erzählte mir, sie habe ihren Partner verlassen. Sie sprach gefasst, kontrolliert, fast stolz. Doch im Verlauf unseres Gesprächs begann diese
S LI
20. Aug.
Alte Rollen – neue Verletzungen
Heute in meiner Praxis „Eigentlich weiß ich doch, dass ich heute nicht mehr um meinen Platz kämpfen muss.“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis immer wieder. Manchmal sind es nicht die großen Ereignisse, die uns tief berühren. Manchmal reicht ein kleiner Satz, ein Nebensatz oder ein scheinbar unbedeutender Moment, in dem plötzlich etwas Altes wieder spürbar wird. Denn manche Situationen berühren nicht nur das Hier und Jetzt. Sie treffen auf Erfahrungen, die wir in Beziehunge
S LI
20. Aug.
Ich trage was, was du nicht siehst..
Heute in meiner Praxis Eine Klientin Ende dreißig, verheiratet, Mutter von zwei Kindern, berichtet von immer wiederkehrenden Situation mit ihrer Mutter. Ein Moment, der stellvertretend für viele familiäre Beziehungen stehen könnte. Nach einem anstrengenden Tag erzählt sie ihrer Mutter, dass sie erschöpft ist. Dass sie müde ist. Dass ihr gerade alles zu viel wird. Die Antwort ihrer Mutter lautet sinngemäß: „Früher war das alles noch viel schwerer.“ Dieser Satz steht im Raum. I
S LI
8. Aug.
Die Geschichten, die wir erben
In der systemischen Arbeit begegnen uns häufig Geschichten, die größer sind als das einzelne Thema, mit dem Menschen in die Beratung kommen. Ein scheinbar persönliches Anliegen ist oft eingebettet in ein vielschichtiges Geflecht aus Erfahrungen, Beziehungen und Bedeutungen. Ein Thema, das zunächst klar und isoliert erscheint, entfaltet bei genauerem Hinsehen weitere Verbindungslinien. Es ist eingebettet in andere Themen, die wiederum mit zusätzlichen Zusammenhängen verwoben s
S LI
4. Aug.
Wenn selbst die Erholung zur Aufgabe wird
Eine systemische Perspektive Ich sitze mit meiner Familie im Urlaub. Neben mir liegt ein Stapel Arbeitsblätter meines Sohnes. Zwölf DIN-A4-Seiten, Vorder- und Rückseite, mit Aufgaben zum Wiederholen, Vertiefen und teilweise sogar zum Vorbereiten neuer Inhalte. Neben mir beantwortet mein Mann berufliche E-Mails, obwohl diese Zeit eigentlich dafür gedacht ist, zur Ruhe zu kommen, aufzutanken und sich der Familie zuzuwenden. Und ich frage mich: Wann haben wir eigentlich verlernt
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28. Juli
Warum brauchen wir Bestätigung von außen?
Eine systemische Perspektive Warum brauchen wir Bestätigung von außen? Bestätigung und Zuspruch sind ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Wir entwickeln unser Selbstbild nicht allein aus uns selbst heraus, sondern in Beziehung zu anderen Menschen. Schon früh brauchen wir Resonanz: Menschen, die uns sehen, uns ermutigen und uns vermitteln: „Du bist wichtig. Du bist willkommen. Du darfst sein, wie du bist.“ Solche Erfahrungen prägen, wie wir über uns selbst denken. Sie geb
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28. Juli
Ist es wirklich zu spät für Verbindung?
Neulich unter Freunden ergab sich ein Gespräch, das mich nachdenklich gemacht hat. Es ging um einen Vater und seine 13-jährige Tochter. Ein Vater, der viel arbeitet, seiner Familie finanziell vieles ermöglicht – und irgendwann von seiner Tochter in besonders abwertender Weise gespiegelt bekommt, dass sein Zweck darin bestehe, Geld zum Shoppen zur Verfügung zu stellen. Ein Satz, der zweifelsfrei wehtut. Nicht nur, weil darin wenig Respekt spürbar ist. Sondern auch, weil sich d
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28. Juli
Wenn der eigene Wert verhandelbar bleibt
Eine Klientin, Ende vierzig, Mutter von zwei Kindern und seit neun Jahren in Deutschland, kam mit dem Anliegen zu mir, beruflich immer wieder an ähnliche Grenzen zu stoßen. Sie arbeitet freiberuflich als Architektin, lebt vor allem von Empfehlungen und beschreibt sich selbst als zuverlässig, geduldig und sehr engagiert. Gleichzeitig erlebt sie die Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden immer wieder als belastend. Absprachen verändern sich, Leistungen werden als selbstverstän
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1. Juni
Dein Trigger = Dein Thema
Wie oft beobachten wir andere Menschen und fragen uns: Warum verhält sie sich so? Warum redet er in diesem Ton? Was nimmt sie sich eigentlich heraus? Wie kann man nur so sein? Und ehe wir es merken, sind wir mitten in der Analyse des Gegenübers. Bewerten. Interpretieren. Verurteilen.Ärgern uns. Was dabei oft unbeachtet bleibt: Was passiert gerade in mir? Denn so sehr wir es manchmal wollen — den anderen werden wir nicht verändern. Aber vielleicht war der andere nie das eigent
S LI
8. Mai
Die unsichtbare Arbeit des Weiterlebens
Eine Frau, kurz vor dem Eintritt in die Rente. Sie hat ihr Kind allein großgezogen – unter fordernden, teils sehr belastenden Bedingungen. Der Kontakt zwischen ihr und ihrem Kind war über viele Jahre intensiv, konflikthaft, aber auch von Fürsorge und Bindung geprägt. Heute kommt sie mit einem leisen, aber schwer tragenden Anliegen: Sie möchte lernen, mit der aktuellen Situation umzugehen. Denn der Kontakt zu ihrem Sohn besteht seit über drei Jahren nicht mehr. Ohne die Gründe
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4. Mai


Wenn Geben und Nehmen zur inneren Rechnung wird
Eine systemische Perspektive In vielen Beziehungen zeigt sich ein Muster, das auf den ersten Blick fast kindlich wirkt: ein genaues Abwägen von Geben und Nehmen. Ähnlich wie Kinder, die Bonbons zählen, um Gerechtigkeit herzustellen, beobachten auch Erwachsene sehr genau, wer wie viel investiert – an Zeit, Aufmerksamkeit oder Zuwendung. Aus systemischer Sicht ist dieses Verhalten weniger ein „Problem“, sondern vielmehr ein sinnvoller Lösungsversuch. Es verweist auf ein inneres
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30. Apr.
Die (leise) Krise der Kommunikation
Eine systemische Perspektive Jeder von uns kennt es oder vielleicht auch nicht:Eine kleine Auseinandersetzung endet plötzlich in einem großen Streit. Häufig sind es gar nicht die unterschiedlichen Meinungen, die so stark auseinandergehen. Viel öfter ist es die Wiederholung und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren oder eben nicht kommunizieren. Gleichzeitig leben wir heute mehr denn je im Außen. Wir sind ständig erreichbar, werden von Informationen überflutet u
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22. Apr.
Wenn der Ruf über allem steht
Heute in meiner Praxis Ein 65-jähriger Vater kommt in meine Praxis. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Sein Anliegen ist: Sein 19-jähriger Sohn soll „zur Vernunft kommen“. Der Sohn möchte KFZ Mechaniker werden. Für den Vater ist das kein Weg, der trägt. Zu wenig Ansehen. Zu wenig Sicherheit. Zu wenig Würde – zumindest in seinem inneren Erleben. Was sich zunächst wie ein Konflikt über Berufswahl zeigt, öffnet im Gespräch eine tiefere Ebene. Der Vater e
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21. Apr.
Wenn Medizin mehr auslöst als Klarheit
Meine Klientin ist Ende 30, verheiratet und Mutter eines fünfjährigen Kindes. Seit etwa drei Jahren besteht der gemeinsame Wunsch nach einem weiteren Kind. Nachdem sich dieser Wunsch nicht erfüllte, ließ das Paar auf ärztlichen Rat hin umfangreiche medizinische Abklärungen durchführen. Im Verlauf der Diagnostik zeigte sich eine medizinische Ursache auf Seiten des Partners. In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass dieser Befund über die ursprünglich intendierte Klärung hinau
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21. Apr.
„Der Club der Starken“
„Wahnsinn, was du alles schaffst – du bist so stark.“ „Du warst immer schon die Stärkere von uns beiden,.“ „Ich wünschte, ich wäre so stark wie du.“ Auf den ersten Blick sind das Komplimente. Und manchmal fühlen sie sich auch so an. Doch es gibt einen Moment, in dem sich etwas verschiebt: Dann, wenn du beginnst zu spüren, was dich diese Stärke eigentlich kostet. Wenn Stärke zur Strategie wird Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die selten weinen. Die funktionieren. Die das
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21. Apr.
Vom Trauma zur *Selbstermächtigung
Heute in meiner Praxis Meine Klientin ist Anfang 40 und hat zwei Kinder. Eine Frau mit einer bewegten Biografie, mehreren bereits durchlaufenen Psychotherapien und einer Geschichte, die von frühen Verletzungen, Anpassung und innerem Überlebenswillen geprägt ist. Sie ist das dritte von sechs Kindern. Ihre Eltern kamen in den 1960er Jahren aus Syrien nach Deutschland. Ihre Mutter wünschte sich einen Sohn. Als drittes Mädchen war sie nicht das erhoffte Kind. In den ersten Lebens
S LI
13. März
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