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Vom Trauma zur *Selbstermächtigung

Autorenbild: S LI
S LI
13. März
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Aug.

Heute in meiner Praxis

Meine Klientin ist Anfang 40 und hat zwei Kinder.

Eine Frau mit einer bewegten Biografie, mehreren bereits durchlaufenen Psychotherapien und einer Geschichte, die von frühen Verletzungen, Anpassung und innerem Überlebenswillen geprägt ist.

Sie ist das dritte von sechs Kindern. Ihre Eltern kamen in den 1960er Jahren aus Syrien nach Deutschland. Ihre Mutter wünschte sich einen Sohn. Als drittes Mädchen war sie nicht das erhoffte Kind. In den ersten Lebensmonaten fehlte ihr das tiefe Gefühl, angenommen und willkommen zu sein.

Später heiratete sie einen Mann mit stark narzisstischen Anteilen. Nach zehn Jahren gelang es ihr, sich aus dieser Beziehung zu lösen. Heute stehen ihre Kinder fast auf eigenen Beinen. Körperlich ist sie stark belastet und zugleich wächst in ihr der Wunsch, das Erlebte nicht nur zu verstehen, sondern wieder in Kontakt mit ihrer Kraft, ihrer Lebendigkeit und ihrer Selbstbestimmung zu kommen.

Ihr Anliegen: Ich möchte zurück in meine Kraft.

Systemisch betrachtet zeigt sich hier nicht nur die Geschichte einer verletzten Frau, sondern auch die einer Frau, die über lange Zeit Wege gefunden hat, unter schwierigen Bedingungen zu überleben. Was heute als Erschöpfung, Unsicherheit oder Überanpassung sichtbar wird, war oft einmal eine sinnvolle Antwort auf frühe Erfahrungen von Nichtgesehenwerden, fehlender Sicherheit und emotionalem Mangel.


Aus systemischer Sicht ist nachvollziehbar, dass Menschen sich in späteren Beziehungen oft in vertrauten inneren Landschaften wiederfinden. Nicht, weil sie es wollen. Sondern weil alte Beziehungserfahrungen, Bindungsmuster und unbewusste Loyalitäten weiterwirken, bis sie erkannt und allmählich verändert werden können.


Wenn ein Mensch früh gelernt hat, sich zurückzunehmen, eigene Bedürfnisse nicht ernst zu nehmen oder Anerkennung nur über Anpassung zu bekommen, dann wirken diese Muster oft weit über die Kindheit hinaus. Sie prägen die Wahl von Beziehungen, den Blick auf sich selbst und die Frage, wie viel Raum man sich im eigenen Leben zugesteht.

In der gemeinsamen Arbeit geht es deshalb nicht nur um das Verstehen der Vergangenheit. Es geht auch darum, neue Erfahrungen im Hier und Jetzt möglich zu machen.

Was sich in solchen Prozessen oft zeigt:

  • Ressourcen dürfen wieder sichtbar werden.

  • Der Körper wird nicht länger übergangen, sondern als wichtiger Orientierungspunkt ernst genommen.

  • Familiäre Rollen, Loyalitäten und alte innere Regeln können erkannt und hinterfragt werden.

  • Selbstermächtigung beginnt oft in kleinen Schritten, etwa dort, wo eine Grenze gespürt, benannt oder geschützt wird.

  • Jede bewusste Entscheidung für sich selbst verändert nicht nur das eigene Erleben, sondern auch das Beziehungssystem.


Mich berührt in solchen Prozessen immer wieder, dass Veränderung nicht laut beginnen muss. Manchmal zeigt sie sich zuerst ganz leise. In einem klareren Spüren. In einem Nein. In einer neuen inneren Erlaubnis. In dem Moment, in dem ein Mensch beginnt, sich selbst wieder zu glauben.

Vielleicht geht es nicht nur darum, sich von einer traumatischen Geschichte zu lösen.

Vielleicht geht es auch darum, sich Schritt für Schritt in ein eigenes Leben hineinzubewegen.




*Selbstermächtigung

„Ich erlaube mir, mein Leben selbst zu gestalten und meine Stimme zu nutzen.“

Typische Aspekte von Selbstermächtigung:

  • innere Erlaubnis, Raum einzunehmen

  • eigene Bedürfnisse ernst nehmen

  • Grenzen setzen

  • Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

  • sich aus alten Machtverhältnissen oder inneren Begrenzungen lösen


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