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Die (leise) Krise der Kommunikation

Autorenbild: S LI
S LI
22. Apr.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Mai


Eine systemische Perspektive

Jeder von uns kennt es oder vielleicht auch nicht:Eine kleine Auseinandersetzung endet plötzlich in einem großen Streit.

Häufig sind es gar nicht die unterschiedlichen Meinungen, die so stark auseinandergehen. Viel öfter ist es die Wiederholung und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren oder eben nicht kommunizieren.

Gleichzeitig leben wir heute mehr denn je im Außen. Wir sind ständig erreichbar, werden von Informationen überflutet und stehen in dauerhafter Verbindung mit der digitalen Welt. Dadurch nehmen wir viel mehr auf, als wir eigentlich verarbeiten können.

Anstatt uns wirklich mit Themen auseinanderzusetzen oder ins Handeln zu kommen, beschäftigen wir uns oft mit Dingen, die uns persönlich gar nicht betreffen. Trotzdem nehmen sie Raum in unserem Denken ein. Sie beschäftigen uns, lenken unsere Aufmerksamkeit und beeinflussen letztlich auch unsere Beziehungen.

Dabei besteht unsere eigentliche Außenwelt aus den Menschen, mit denen wir täglich zu tun haben. Die Menschen, denen wir regelmäßig begegnen.

Oder ist das gar nicht so? Ist es vielleicht eine Entwicklung unserer Zeit, dass wir uns immer weiter voneinander entfernen und jeder mehr in seiner eigenen individuellen Welt lebt? Oder nutzen wir diese Entwicklung manchmal auch als Entschuldigung?

Natürlich liegt es bei jedem Einzelnen, welche Nachrichten er liest, wie oft er zum Smartphone greift oder ob er sich bewusst dafür entscheidet, seinem Gegenüber wirklich Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch nehmen wir uns überhaupt Zeit, über unsere eigene Selbstwirksamkeit nachzudenken? Über Verantwortung für unser Handeln und unsere Kommunikation? Vielleicht wäre es bereits ein wichtiger Schritt, klare Strukturen im Umgang mit der Außenwelt und der virtuellen Welt zu schaffen.

Die Antworten darauf sind so individuell wie wir Menschen selbst und vielleicht ist es auch ganz anders?

Was sich jedoch immer häufiger beobachten lässt: Ungenügende oder fehlende Kommunikation breitet sich schleichend aus. Fast unbemerkt. Und viele wundern sich darüber, obwohl es eigentlich gar nicht so überraschend ist.

Wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir schnell, dass ein zentrales Thema unserer Zeit die übertriebene Kommunikation vs. die Nicht-Kommunikation geworden ist.

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick, sagte einmal:„Wir können nicht nicht miteinander kommunizieren.“

Was braucht es also für eine gelungene Kommunikation? Die Liste könnte vermutlich endlos sein. Und dennoch gäbe es keine allgemeingültige Antwort. Genau das macht Kommunikation so herausfordernd, manchmal schwierig, aber auch spannend und interessant.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, den Blick auf einige Aspekte zu richten, die fast immer hilfreich sein können.


Präsenz

Und damit ist nicht nur die physische Anwesenheit gemeint.Es bedeutet, sich wirklich zuzuwenden. Den anderen anzuschauen und wahrzunehmen Beispielsweise wie es ihm gerade geht.

Unser Ausdruck verändert sich täglich, manchmal sogar von Minute zu Minute. Doch nehmen wir diese Veränderungen beim anderen überhaupt bewusst wahr? Oder vermeiden wir es vielleicht sogar, genauer hinzusehen, aus Angst, zu viel hineinzuinterpretieren?

Dabei könnte genau das bereits der erste Schritt zu einer echten Kommunikation sein:sich einander zuzuwenden, sich wirklich zu sehen und Veränderungen wahrzunehmen.


Zuhören

Wirklich zuzuhören ist vielleicht eine der größten Herausforderungen in der Kommunikation. Oft hören wir nicht, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Während der andere noch spricht, sind wir innerlich schon damit beschäftigt, unsere eigene Sichtweise zu formulieren oder eine passende Antwort zu finden.

Dabei geht genau in diesen Momenten etwas Entscheidendes verloren: das echte Verstehen.

Zuhören bedeutet nicht nur, die Worte des anderen wahrzunehmen. Es bedeutet auch, zwischen den Zeilen zu hören. Den Tonfall zu bemerken, die Emotionen dahinter zu spüren und dem Gegenüber Raum zu geben, seine Gedanken zu Ende zu bringen.

Wenn Menschen sich wirklich gehört fühlen, verändert sich häufig bereits die gesamte Dynamik eines Gesprächs. Spannungen lösen sich, Missverständnisse werden sichtbar und neue Perspektiven können entstehen.

Vielleicht liegt der Schlüssel zu gelungener Kommunikation also gar nicht darin, immer die richtigen Worte zu finden.Vielleicht liegt er viel öfter darin, wirklich zuzuhören.


Selbstwahrnehmung

Gelungene Kommunikation beginnt oft nicht beim anderen, sondern bei uns selbst.

Wie geht es mir gerade? Was löst das Gesagte in mir aus? Welche Gedanken oder Gefühle werden vielleicht berührt?

Nicht selten reagieren wir in Gesprächen weniger auf die aktuelle Situation als auf etwas, das wir bereits kennen – auf frühere Erfahrungen, vertraute Beziehungsmuster oder alte Überzeugungen.

Wenn wir beginnen, diese inneren Reaktionen wahrzunehmen, entsteht ein kleiner, aber wichtiger Raum. Ein Raum zwischen Reiz und Reaktion.

Und genau in diesem Raum wird neue Kommunikation möglich.

Selbstwahrnehmung bedeutet nicht, alles richtig zu machen.Sie bedeutet vielmehr, neugierig auf sich selbst zu bleiben.


Echtheit in der Begegnung

Gelungene Kommunikation entsteht dort, wo Menschen einander wirklich begegnen.

Nicht hinter Rollen, Erwartungen oder Verteidigungsstrategien – sondern als Menschen mit Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen.

Echtheit bedeutet nicht, alles ungefiltert auszusprechen.Echtheit bedeutet vielmehr, mit sich selbst in Kontakt zu sein und dem anderen authentisch zu begegnen.

Wenn Menschen sich gesehen und gehört fühlen, verändert sich oft die Qualität eines Gesprächs. Spannung kann sich lösen, Vertrauen kann entstehen und neue Perspektiven werden möglich.

Vielleicht liegt der Schlüssel zu gelungener Kommunikation deshalb nicht nur in den richtigen Worten.

Sondern in der Art, wie wir einander begegnen.


Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, perfekt zu kommunizieren.

Vielleicht geht es darum, immer wieder bereit zu sein, in Beziehung zu gehen – auch dann, wenn es schwierig wird.

Fakt: Wir werden Kommunikation nie vollständig beherrschen.

Wir werden einander missverstehen. Wir werden Dinge sagen, die wir später bereuen. Und manchmal werden wir schweigen, obwohl Worte wichtig gewesen wären.

Kommunikation bleibt immer ein Risiko – und vielleicht liegt gerade darin ihre Menschlichkeit.



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1 Kommentar

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Lisa
17. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Sehr wertvoller Beitrag!

Die Aspekte der Präsenz und Echtheit gefallen mir besonders gut.

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