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Aus meiner Praxis
Wie Verständnis die Verbindung verhindert
Heute in meiner Praxis Eine Erkenntnis, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet – und die ich auch im Austausch mit Menschen außerhalb meiner Praxis wahrnehme: Viele erwachsene Kinder haben gelernt, ihre Eltern sehr gut zu verstehen. Sie verstehen, dass ihre Eltern in einer anderen Zeit groß geworden sind. Dass sie andere Prägungen erfahren haben. Dass sie vielleicht selbst wenig Raum für Gefühle, Bedürfnisse oder Verletzlichkeit bekommen haben. Sie sehen die Geschicht
S LI
vor 7 Tagen
Ein Teil ist noch kein Ganzes
Ich sage meinen Klient:innen nicht, was sie tun sollen. Nicht, weil es keine Antworten gäbe. Sondern weil das voraussetzen würde, dass ich wüsste, welcher nächste Schritt für sie passend oder richtig ist. Und dafür kenne ich niemals das ganze Bild. Verhalten entsteht nicht im luftleeren Raum. Es steht immer in einem Zusammenhang – mit Beziehungen, Erfahrungen, Erwartungen, Verletzungen und Bedürfnissen. Was von außen wie ein klares „Du solltest …“ aussieht, kann innerhalb die
S LI
11. Sept.
Die Wahrheit hinter der Lüge
Neulich saß eine Frau Anfang dreißig in meiner Praxis. Sie wirkte souverän, wach, präsent. Eine Persönlichkeit, die gelernt hatte, Räume einzunehmen. Die wusste, wie man Geschichten erzählt, Menschen unterhält und Interesse weckt. Sie kam wegen einer Trennung. Sieben Jahre einer Beziehung, die vielversprechend war – und nun das Ende. Sie erzählte mir, sie habe ihren Partner verlassen. Sie sprach gefasst, kontrolliert, fast stolz. Doch im Verlauf unseres Gesprächs begann diese
S LI
20. Aug.
Alte Rollen – neue Verletzungen
Heute in meiner Praxis „Eigentlich weiß ich doch, dass ich heute nicht mehr um meinen Platz kämpfen muss.“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis immer wieder. Manchmal sind es nicht die großen Ereignisse, die uns tief berühren. Manchmal reicht ein kleiner Satz, ein Nebensatz oder ein scheinbar unbedeutender Moment, in dem plötzlich etwas Altes wieder spürbar wird. Denn manche Situationen berühren nicht nur das Hier und Jetzt. Sie treffen auf Erfahrungen, die wir in Beziehunge
S LI
20. Aug.
Ich trage was, was du nicht siehst..
Heute in meiner Praxis Eine Klientin Ende dreißig, verheiratet, Mutter von zwei Kindern, berichtet von immer wiederkehrenden Situation mit ihrer Mutter. Ein Moment, der stellvertretend für viele familiäre Beziehungen stehen könnte. Nach einem anstrengenden Tag erzählt sie ihrer Mutter, dass sie erschöpft ist. Dass sie müde ist. Dass ihr gerade alles zu viel wird. Die Antwort ihrer Mutter lautet sinngemäß: „Früher war das alles noch viel schwerer.“ Dieser Satz steht im Raum. I
S LI
8. Aug.
Die Geschichten, die wir erben
In der systemischen Arbeit begegnen uns häufig Geschichten, die größer sind als das einzelne Thema, mit dem Menschen in die Beratung kommen. Ein scheinbar persönliches Anliegen ist oft eingebettet in ein vielschichtiges Geflecht aus Erfahrungen, Beziehungen und Bedeutungen. Ein Thema, das zunächst klar und isoliert erscheint, entfaltet bei genauerem Hinsehen weitere Verbindungslinien. Es ist eingebettet in andere Themen, die wiederum mit zusätzlichen Zusammenhängen verwoben s
S LI
4. Aug.
Wenn der eigene Wert verhandelbar bleibt
Eine Klientin, Ende vierzig, Mutter von zwei Kindern und seit neun Jahren in Deutschland, kam mit dem Anliegen zu mir, beruflich immer wieder an ähnliche Grenzen zu stoßen. Sie arbeitet freiberuflich als Architektin, lebt vor allem von Empfehlungen und beschreibt sich selbst als zuverlässig, geduldig und sehr engagiert. Gleichzeitig erlebt sie die Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden immer wieder als belastend. Absprachen verändern sich, Leistungen werden als selbstverstän
S LI
1. Juni
Die unsichtbare Arbeit des Weiterlebens
Eine Frau, kurz vor dem Eintritt in die Rente. Sie hat ihr Kind allein großgezogen – unter fordernden, teils sehr belastenden Bedingungen. Der Kontakt zwischen ihr und ihrem Kind war über viele Jahre intensiv, konflikthaft, aber auch von Fürsorge und Bindung geprägt. Heute kommt sie mit einem leisen, aber schwer tragenden Anliegen: Sie möchte lernen, mit der aktuellen Situation umzugehen. Denn der Kontakt zu ihrem Sohn besteht seit über drei Jahren nicht mehr. Ohne die Gründe
S LI
4. Mai
Wenn der Ruf über allem steht
Heute in meiner Praxis Ein 65-jähriger Vater kommt in meine Praxis. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Sein Anliegen ist: Sein 19-jähriger Sohn soll „zur Vernunft kommen“. Der Sohn möchte KFZ Mechaniker werden. Für den Vater ist das kein Weg, der trägt. Zu wenig Ansehen. Zu wenig Sicherheit. Zu wenig Würde – zumindest in seinem inneren Erleben. Was sich zunächst wie ein Konflikt über Berufswahl zeigt, öffnet im Gespräch eine tiefere Ebene. Der Vater e
S LI
21. Apr.
Wenn Medizin mehr auslöst als Klarheit
Meine Klientin ist Ende 30, verheiratet und Mutter eines fünfjährigen Kindes. Seit etwa drei Jahren besteht der gemeinsame Wunsch nach einem weiteren Kind. Nachdem sich dieser Wunsch nicht erfüllte, ließ das Paar auf ärztlichen Rat hin umfangreiche medizinische Abklärungen durchführen. Im Verlauf der Diagnostik zeigte sich eine medizinische Ursache auf Seiten des Partners. In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass dieser Befund über die ursprünglich intendierte Klärung hinau
S LI
21. Apr.
Vom Trauma zur *Selbstermächtigung
Heute in meiner Praxis Meine Klientin ist Anfang 40 und hat zwei Kinder. Eine Frau mit einer bewegten Biografie, mehreren bereits durchlaufenen Psychotherapien und einer Geschichte, die von frühen Verletzungen, Anpassung und innerem Überlebenswillen geprägt ist. Sie ist das dritte von sechs Kindern. Ihre Eltern kamen in den 1960er Jahren aus Syrien nach Deutschland. Ihre Mutter wünschte sich einen Sohn. Als drittes Mädchen war sie nicht das erhoffte Kind. In den ersten Lebens
S LI
13. März
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