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Was darf Schule sein?

Autorenbild: S LI
S LI
28. Aug.
2 Min. Lesezeit

Ein Satz aus einem Gespräch mit einer Lehrerin hat mich noch eine Weile beschäftigt:


„Wir dürfen den Kindern ruhig klarmachen, dass Schule keinen Spaß macht. Schule ist schließlich kein Ort, an dem es um Spaß geht. Wir Erwachsenen gehen schließlich auch zur Arbeit, obwohl sie uns keinen Spaß macht.“


Ich frage mich, was alles in diesem Satz liegen kann.


Aus Sicht einer Lehrerin vielleicht zunächst etwas sehr Verständliches: Schule ist kein Freizeitprogramm. Lernen bedeutet Anstrengung, Konzentration, Wiederholung und manchmal auch Frustration. Eine Lehrkraft hat die Aufgabe, Kinder nicht nur dort abzuholen, wo es leichtfällt, sondern ihnen auch zuzumuten, an Dingen dranzubleiben, die gerade keinen Spaß machen.


Vielleicht spricht aus einer solchen Haltung auch die eigene Erfahrung: Arbeit bedeutet nicht immer Freude. Verpflichtungen gehören zum Leben. Und genau das sollen Kinder vielleicht früh lernen.


Aus Sicht eines Kindes könnte derselbe Satz jedoch etwas anderes bedeuten.


Wenn eine erwachsene Bezugsperson sagt: „Schule macht keinen Spaß“, wird aus einer persönlichen Sichtweise möglicherweise eine Erwartung. Eine Vorstellung davon, wie Schule eben ist.


Vielleicht übernimmt ein Kind diese Sicht.


Vielleicht widerspricht es.


Vielleicht bemerkt es gar nicht, dass es gerade eine fremde Bewertung übernommen hat.


Welche Wirklichkeit ist nun die richtige?


Vielleicht muss es diese eine Wirklichkeit gar nicht geben.


Aus einem systemischen Blickwinkel kann es interessant sein, nicht sofort zu entscheiden, wer recht hat, sondern die verschiedenen Perspektiven nebeneinander stehen zu lassen.


Denn vielleicht stimmt beides: Schule muss nicht immer Spaß machen.


Und gleichzeitig: Schule darf Spaß machen.


Vielleicht darf Lernen anstrengend sein und trotzdem Freude bereiten. Vielleicht darf ein Kind Frustration erleben, ohne dass Frustration zur grundlegenden Haltung gegenüber Schule werden muss.

Und vielleicht lohnt es sich deshalb, gerade bei solchen scheinbar selbstverständlichen Aussagen einmal innezuhalten.


Denn sobald wir benennen, wie etwas ist, geben wir auch einen Rahmen vor, in dem andere es betrachten können.


Viel interessanter finde ich die Frage deshalb, wie viel Raum bleibt einem Kind noch für seine eigene Antwort, wenn wir ihm unsere bereits gegeben haben?




An dieser Stelle muss ich an einen Satz denken, der Maria Montessori zugeschrieben wird: Das Kind ist kein Gefäß, das gefüllt werden muss, sondern ein Feuer, das entzündet werden will. Auch wenn dieser Satz nicht eindeutig als wörtliches Montessori-Zitat belegt ist, bringt er für mich etwas Wesentliches auf den Punkt.


Vielleicht geht es beim Lernen nicht darum, einem Kind möglichst viel von unserer Sicht auf die Welt mitzugeben. Sondern darum, etwas in ihm in Bewegung zu bringen.


„Hilf mir, es selbst zu tun“ – auch dieser Montessori zugeschriebene Gedanke verweist auf eine Haltung, in der wir dem Kind zutrauen, eigene Erfahrungen zu machen, eigene Antworten zu finden und seinen eigenen Zugang zur Welt zu entwickeln.


Wir können Orientierung geben, Anforderungen stellen und Grenzen setzen. Aber wir müssen nicht festlegen, wie ein Kind etwas zu erleben hat.


Noch weiter gedacht stellt sich für mich die Frage: Was geschieht, wenn ein Erwachsener die Wirklichkeit eines Kindes definiert? Wenn die eigene Sichtweise plötzlich zur vermeintlichen Sicht des Kindes wird?


Schule darf anstrengend sein.


Sie darf herausfordern.


Und sie darf Spaß machen.


Vielleicht muss ein Kind all das nicht als Widerspruch erleben.


Vielleicht darf Schule für ein Kind einfach vieles gleichzeitig sein.


Und vielleicht beginnt genau dort etwas, das Lernen überhaupt erst möglich macht:

eine eigene Erfahrung.



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