Ein Teil ist noch kein Ganzes
Ich sage meinen Klient:innen nicht, was sie tun sollen.
Nicht, weil es keine Antworten gäbe. Sondern weil das voraussetzen würde, dass ich wüsste, welcher nächste Schritt für sie passend oder richtig ist. Und dafür kenne ich niemals das ganze Bild.
Verhalten entsteht nicht im luftleeren Raum. Es steht immer in einem Zusammenhang – mit Beziehungen, Erfahrungen, Erwartungen, Verletzungen und Bedürfnissen. Was von außen wie ein klares „Du solltest …“ aussieht, kann innerhalb dieses Zusammenhangs eine ganz andere Bedeutung haben.
Es ist ein bisschen wie bei einem Puzzle: Wenn ich nur ein Teilstück kenne, kann ich schwer entscheiden, wie das Gesamtbild aussehen soll. Und manchmal verändert ein weiteres Teil plötzlich den Blick auf alles, was vorher schon da war.
Deshalb geht es in meiner Beratung nicht darum, Verhalten zu bewerten oder eine Seite zur richtigen zu erklären. Auch nicht darum, herauszufinden, wer Recht hat.
Interessant ist, was zwischen Menschen geschieht. Welche Muster entstehen. Welche Perspektiven bisher vielleicht keinen Platz hatten. Und was sich verändert, wenn wir nicht mehr nach Schuldigen suchen, sondern versuchen, Zusammenhänge zu verstehen.
Das bedeutet nicht, dass alles gutgeheißen wird.
Es bedeutet, dass ich nicht für meine Klient:innen entscheide, was richtig oder falsch ist.
Denn die Entscheidung darüber, was der nächste Schritt sein soll, gehört dorthin, wo auch die Verantwortung dafür liegt: zu dir.
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